„Gutes Event für uns und Stadt Offenbach“

OFC stolz nach 15:43 im Jubiläumsspiel gegen Europa-League-Sieger MT Melsungen

OFC Melsungen
Alexander Hartmann
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In den letzten Spielminuten standen gefühlt alle 850 Zuschauer in der ausverkauften Bürgeler Sportfabrik von ihren Sitzplätzen auf. Sie applaudierten bis zum Abpfiff den wacker kämpfenden Amateuren der Offenbacher Kickers und den Profis der MT Melsungen, die das Jubiläumsspiel zum 125-jährigen Bestehen des OFC locker ausklingen ließen. Mit 43:15 (23:5) gewannen die Handballer aus Nordhessen, der Europa-League-Sieger 2026, gegen den Oberligisten. Die Gäste initiierten Spielzüge und erzielten Tore, wie sie in Offenbacher Sporthallen bisher wohl noch nicht zu sehen waren. Einen Treffer in der zweiten Hälfte brachten sie mit dem legendären Kempa-Trick zustande – eine Augenweide.

Dennoch erwähnenswert: Alle drei OFC-Torhüter – Justin Hohenberger, Luis Schüler und Jörg Frank – hatten ihre Erfolgserlebnisse, vereitelten unter großem Applaus weitere Gegentreffer. Immerhin neun Offenbacher trafen auf der anderen Seite gegen Ungarns Nationaltorwart Kristof Palasics und dessen Stellvertreter Kim Florin Hüter – stark.

Ab September in der Champions League

Die Profis der MT, ab September in der Champions League gegen Vereine wie HBC Nantes (Frankreich), Orlen Wisla Plock (Polen) und HC Vardar (Nordmazedonien) gefordert, zeigten sich in Bürgel nahbar. Sie hatten einen großen Anteil an diesem Handballfest, waren nach dem Abpfiff auf dem Parkett für gemeinsame Fotos bereit, gaben Autogramme, plauderten mit den Fans. Die Party an den Getränke- und Essensständen vor der Sportfabrik dauerte noch lange an, da waren die Melsunger auf dem Heimweg.

„Das war ein gutes Handballevent, ich denke, jeder Zuschauer hatte seinen Spaß. Es gab schöne Tore zu sehen. Der OFC war sehr engagiert. Die Kickers können eine gute Saison spielen, wenn sie so zur Sache gehen wie gegen uns“, sagte Johannes Golla. Der 28 Jahre alte Kapitän der deutschen Nationalmannschaft war im Sommer von der SG Flensburg-Handewitt zurück nach Melsungen gewechselt.

Die Offenbacher waren mächtig stolz nach diesem Spektakel, vor allem Michael Ritter. Ihm waren die ersten drei Treffer für die Gastgeber gelungen. Insgesamt erzielte er fünf Tore gegen den Bundesligisten, war erfolgreichster Torschütze des OFC. „Es wird ein wenig dauern, bis ich das realisieren kann, gegen wen man da gespielt und getroffen hat. Ich habe jeden Moment genossen und nicht viel nachgedacht“, sagte Ritter und ergänzte: „Unser Wunsch war, dass wir gegen Melsungen zweistellig treffen. Das haben wir geschafft, alles andere war ein Bonus.“ Atmosphäre, Teamgeist und Spaß am Handball hätten seine Mannschaft an diesem besonderen Tag getragen.

OFC-Trainer Christian Seliger war mit dem Ergebnis zufrieden, auch wenn er vor der Partie insgeheim auf 20 eigene Treffer gehofft hatte. „Die Melsunger hatten sich 45 Tore vorgenommen, es sind 43 geworden. Unsere Abwehr war der bessere Mannschaftsteil, war grundsolide gegen einen übermächtigen Gegner“, sagte er.

Schwung mitnehmen in neue Saison

Ritter blickte gleich auf die neue Saison. „Wir müssen jetzt den Tank auffüllen für die weitere Vorbereitung und den Schwung aus diesem Spiel mitnehmen in die Punktrunde. Wir wollen in der Oberliga in die obere Hälfte und frühestmöglich den Klassenerhalt sichern.“ Die neue Saison beginnt für den OFC, 2025/26 Elfter der Oberliga Süd, am 12. September in Arheilgen. Am 20. September steht das erste Heimspiel gegen Groß-Rohrheim an – krasses Kontrastprogramm, der Alltag rückt näher.

Fabian Mottscheller, Männerwart, Leiter der Veranstaltung gegen Melsungen und Spieler der Kickers, sprach von einem „guten Event für uns und die Stadt Offenbach“ – das war sogar noch zurückhaltend formuliert. Er sei zuletzt 16 Stunden pro Tag für dieses Spiel im Einsatz gewesen und urlaubsreif, wie er lachend berichtete. „Ich bin froh, dass die Halle ausverkauft war, und sehr stolz auf die Jungs, wie sie sich ins Spiel hineingeworfen haben. Und es sind alle heil geblieben. Es hätte keiner von uns gern gesehen, wenn sich jemand wie Johannes Golla hier verletzt und bei der Heim-WM im Januar 2027 wird gefragt, warum er fehlt. Und die Antwort lautet: Weil er sich in Offenbach verletzt hat. Das wäre das Letzte gewesen, worauf wir Bock gehabt hätten.“ Am Dienstag, nach dem Aufräumen am Montag, fährt er tatsächlich in den Urlaub.

50 freiwillige Helfer im Einsatz

OFC-Vizepräsident Christian Peters, der die Kontakte nach Melsungen geknüpft hatte, war begeistert von diesem Event, sprach von einem „absoluten Erfolg“. Er sagte: „Das ist einfach beeindruckend. Die ganze Veranstaltung ist im Ehrenamt entstanden, wir hatten rund 50 freiwillige Helfer. Hier kann man sich für alle Abteilungen etwas abgucken. Da sieht man, was möglich ist, wenn wir als Verein zusammenstehen.“

Jens Pröse, Abteilungsleiter Handballer der Kickers, nahm das Gewimmel auf dem Parkett nach dem Abpfiff schmunzelnd zur Kenntnis. „Die Mannschaft war heiß auf dieses Spiel, da wurden Urlaube verschoben, um gegen Golla und Co. mitspielen zu können. Das Publikum hat die Veranstaltung prima angenommen. Wir sind als OFC-Handballabteilung in der Öffentlichkeit präsent und haben an Bekanntheit zugelegt. Es gibt bei den Kickers nicht nur Fußball, sondern auch in anderen Abteilungen wird gute Arbeit geleistet. Das war hier zu sehen.“ Da kann ihm nach diesem Fest wohl niemand widersprechen.

OFC Kickers: Hohenberger, Schüler, Frank; Leyh (1), Mundil (1), Mottscheller, Weis (2), Erk, Mädel, Arras, Hofmann, Büscher, Huesmann (1), Meincke, Stenger (2), Zuffinger (1), Pröse (1), Ritter (5), Frank, Schönewolf (1)

MT Melsungen: Palasics, Hüter; Marchan (2), Altena (7), Sipos, Kristopans (4), Ignatow (4), Golla (1), Drosten (9), Stefansson (3), Dujshebaev (2), Forsell-Schefvert, Sigrist (6), Garcia (5), Duketis

Unentschieden im Ü40-Klassiker

Nicht nur die Aktiven der Kickers waren zufrieden, auch die Ü40 des OFC und der TSG Bürgel hatten im Vorfeld beim 18:18 (10:8) im Klassiker ihren Spaß. Andreas Nubert trat für beide Teams je eine Halbzeit an. OFC: Torwart Franz, Cl. Deichmann (4), Zink, Wicklein (2), Dieter (1), Mühlhause (3), Schablitzki (2), Euschen (3), Gaub (1), Chr. Deichmann (2), Nubert. TSG Bürgel: Torhüter Bertholz, Jöckel und Mangelmann, Thomas (2), Bott, S. Lenort (3), Gottwald, Waldmann (1), J. Werner (1), Th. Werner (1), Lebherz (4), Kaiser (4), Dornauer, Nubert (2).

Quelle: Offenbach Post / Holger Appel